Agentur-Stundensatz: Was 2026 realistisch ist und warum
Kurz gesagt: Ein Agentur-Stundensatz liegt in Deutschland in der Regel über dem Freelancer-Durchschnitt, den der Freelancer-Kompass 2026 mit 103 Euro angibt, weil Agenturen Projektleitung, Büro, Vertrieb und nicht abrechenbare Zeit mitfinanzieren. Eine einfache Kostenrechnung mit 60.000 Euro Bruttogehalt ergibt rund 108 Euro pro Stunde. Deutlich niedrigere Sätze haben meist einen Grund.
Ein Stundensatz ist der am schlechtesten verstandene Teil eines Agenturangebots. Auftraggeber vergleichen 95 mit 140 Euro und halten die günstigere Agentur für die bessere Wahl. Dabei sagt der Satz allein fast nichts. Entscheidend ist, wie viele Stunden für dasselbe Ergebnis anfallen und was in einer Stunde steckt.
Trotzdem lohnt es sich, Stundensätze einordnen zu können. Wer weiß, wie ein Satz zustande kommt, erkennt Ausreißer nach oben und unten.
Was Freelancer verlangen: der Vergleichswert
Für Agenturen gibt es keine aktuelle, öffentlich zugängliche Studie mit Durchschnittssätzen. Für Freelancer schon. Der Freelancer-Kompass von freelancermap befragt jedes Jahr Selbstständige im deutschsprachigen Raum. Die Ausgabe 2026 nennt einen durchschnittlichen Stundensatz von 103 Euro, nach 104 Euro im Vorjahr.
Quelle: freelancermap, Freelancer-Kompass 2023 bis 2026
Nach Fachbereich unterscheiden sich die Sätze deutlich. Im Kompass 2025 lag Beratung und Management bei durchschnittlich 120 Euro, Entwicklung beziehungsweise Tech und Data bei 94 Euro. Grafik, Content und Medien bildeten mit 82 Euro das Schlusslicht. Die 2026er Zahlen zeigen außerdem Druck: Laut Kompass wollen 62 Prozent der Befragten ihren Satz 2026 nicht verändern, 29 Prozent planen eine Erhöhung und 9 Prozent eine Senkung.
Warum ist das relevant für Agenturen? Weil eine Agentur denselben Markt bedient. Ein Freelancer-Satz von gut 100 Euro ist die Untergrenze, an der sich eine Agentur messen lassen muss, denn sie trägt Kosten, die ein Freelancer nicht hat.
Wie ein Agentur-Stundensatz zustande kommt
Eine Agentur bezahlt Angestellte, auch wenn diese gerade nicht an Kundenprojekten arbeiten. Sie bezahlt Büro und Software, dazu Buchhaltung und Vertrieb. Dazu kommen all die Stunden, die in Angebote und Weiterbildung fließen. Das alles muss über die abrechenbaren Stunden hereinkommen.
Eine vereinfachte Rechnung mit Annahmen, die du an deine Lage anpassen kannst:
- Bruttogehalt (Annahme)
- 60.000 €
- + rund 21 % Arbeitgeberanteile (Annahme)
- 72.600 €
- + 50 % Gemeinkosten: Büro, Software, Vertrieb, Verwaltung (Annahme)
- 108.900 €
- Jahresstunden nach Urlaub, Feiertagen, Krankheit (Annahme)
- 1.680 h
- davon abrechenbar bei 65 % Auslastung
- 1.092 h
- Kosten je abrechenbarer Stunde
- 99,73 €
- Stundensatz bei 7,5 % Umsatzrendite
- rund 108 €
Alle Werte außer der Rendite sind Annahmen für das Beispiel. Die 7,5 % entsprechen der durchschnittlichen Rendite der GWA-Agenturen 2025 laut GWA-Frühjahrsmonitor 2026.
Zwei Stellschrauben bewegen das Ergebnis am stärksten. Die Auslastung: Sinkt sie von 65 auf 55 Prozent, steigen die Kosten je Stunde um fast ein Fünftel. Und die Gemeinkosten: Eine Agentur mit eigenem Vertriebsteam, großem Büro und Geschäftsführung, die selbst nicht abrechnet, liegt eher bei 70 bis 100 Prozent Aufschlag als bei 50.
Das erklärt, warum Agenturen mit erfahrenen Leuten in teuren Städten deutlich über 108 Euro liegen müssen. Und es zeigt, dass ein Satz von 70 Euro für Entwicklung in Deutschland mit festangestellten Senior-Leuten rechnerisch kaum aufgeht.
Warum manche Agenturen viel günstiger sind
Ein niedriger Satz ist nicht automatisch verdächtig. Es gibt legitime Gründe:
- Nearshoring oder Offshoring. Ein Teil der Arbeit erfolgt in Ländern mit niedrigeren Gehältern. Das ist verbreitet und völlig in Ordnung, solange du es weißt. Die Plattform Clutch, die weltweit Agenturen listet, nennt für Designagenturen 25 bis 49 US-Dollar pro Stunde als häufigste Spanne. Das spiegelt diesen internationalen Markt.
- Junior-lastige Teams. Ein Team aus Berufseinsteigern ist günstiger pro Stunde, braucht aber oft mehr Stunden.
- Freelancer-Netzwerke. Die Agentur ist im Kern eine Projektleitung, die freie Mitarbeiter koordiniert. Geringere Fixkosten, aber auch weniger Kontinuität.
- Kalkulation über Folgegeschäft. Der Projektsatz ist niedrig, verdient wird später an Wartung und Nachträgen.
Der letzte Punkt ist der einzige, bei dem du wirklich aufpassen musst. Frag direkt nach den Sätzen für Änderungen nach dem Launch und nach den Kosten für Wartung. Mehr dazu im Artikel über den Wartungsvertrag für Websites.
Rollen, Blended Rate, Tagessatz: was im Angebot steht
Agenturen stellen ihre Preise unterschiedlich dar. Drei Modelle sind verbreitet.
| Modell | So sieht es aus | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|
| Satz pro Rolle | Projektleitung 130 €, Senior-Entwicklung 120 €, Design 105 € | Wer übernimmt welche Stunden? Steht das Verhältnis im Angebot? |
| Blended Rate | Ein Satz für alle, etwa 115 € | Zusammensetzung des Teams erfragen |
| Tagessatz | 920 € pro Tag | Wie viele Stunden hat ein Tag? 8 oder 7,5? |
Die Beispielzahlen in der Tabelle sind fiktiv und dienen nur der Veranschaulichung.
Bei Sätzen pro Rolle zählt die Mischung. Ein Angebot mit 60 Prozent Senior-Stunden ist teurer als eines mit 30 Prozent, auch wenn die Einzelsätze gleich sind. Bei Tagessätzen gilt: umrechnen. 920 Euro für 8 Stunden sind 115 Euro pro Stunde. Für 7,5 Stunden sind es knapp 123 Euro.
Was in der Stunde steckt und was extra kostet
Bevor du Sätze vergleichst, klär diese Punkte. Sie entscheiden oft mehr über die Rechnung als der Satz selbst.
- In welchem Takt wird abgerechnet? 15 Minuten, 30 Minuten oder volle Stunden?
- Sind interne Abstimmungen der Agentur abrechenbar oder nur Termine mit dir?
- Wie werden Reisezeit und Reisekosten behandelt?
- Gibt es Zuschläge für Eilaufträge, Wochenenden oder Arbeit außerhalb der Bürozeiten?
- Werden Fremdkosten wie Lizenzen, Stockfotos oder Server mit Aufschlag weitergegeben?
Eine Agentur, die bei 15-Minuten-Takt und ohne interne Meetings abrechnet, kann bei 130 Euro günstiger sein als eine mit 110 Euro, die jede angefangene Stunde und jede interne Besprechung berechnet.
Stundensatz oder Festpreis?
Ein Stundensatz verteilt das Risiko anders als ein Festpreis. Bei Abrechnung nach Aufwand trägst du das Risiko, dass mehr Stunden nötig werden. Beim Festpreis trägt es die Agentur und preist es ein, meist mit einem Aufschlag. Welches Modell sich wann eignet, erklärt der Beitrag Festpreis oder Aufwand.
Für viele Projekte ist eine Mischform sinnvoll: Abrechnung nach Aufwand mit einer Obergrenze, die nur nach Rücksprache überschritten werden darf. Das gibt dir Kontrolle und der Agentur Spielraum.
Wie du Stundensätze richtig vergleichst
Der direkte Vergleich von Sätzen führt in die Irre. Vergleiche stattdessen die geschätzten Gesamtstunden für dieselben Leistungen und die Annahmen dahinter. Eine Agentur mit 140 Euro und 200 geschätzten Stunden ist günstiger als eine mit 100 Euro und 320 Stunden. Wie du Angebote auf diese Weise aufschlüsselst, steht unter Agentur-Angebote vergleichen.
Wer Software entwickeln lassen will, sollte außerdem fragen, wie Aufwände geschätzt werden. Agenturen, die in Paketen oder Sprints denken, können ihre Schätzung meist besser begründen als solche, die nur eine Stundenzahl nennen. Einen Eindruck, wie ein Studio Entwicklungsarbeit strukturiert, bekommst du auf der Seite zur Softwareentwicklung bei OnlineBuilders.
Für eine Gesamtschätzung deines Vorhabens hilft der Beitrag Website erstellen lassen: Kosten, der die Stunden pro Baustein aufschlüsselt.
Nächster Schritt: Rechne alle Sätze aus deinen Angeboten auf Stunden um und trage daneben die geschätzten Gesamtstunden ein. Erst das Produkt aus beidem ist eine Zahl, die du vergleichen kannst.
Häufige Fragen
Wie viele Stunden hat ein Agentur-Tagessatz?
Meist acht Stunden. Manche Agenturen rechnen mit 7,5 oder 9 Stunden, deshalb lohnt ein Blick in das Angebot. Wer Tagessätze vergleicht, sollte sie vorher auf Stunden umrechnen.
Was ist eine Blended Rate?
Ein einheitlicher Stundensatz für alle Rollen im Projekt, vom Junior bis zur Projektleitung. Das vereinfacht die Abrechnung. Du solltest dann aber wissen, wie sich das Team zusammensetzt, sonst zahlst du Senior-Preise für Junior-Arbeit.
Werden Projektmanagement und Meetings extra berechnet?
Das ist von Agentur zu Agentur verschieden. Manche schlagen einen pauschalen Prozentsatz für Projektleitung auf, andere rechnen jede Stunde einzeln ab. Klär vorab, ob Abstimmungstermine, interne Besprechungen und Reisezeit abrechenbar sind.
Kann ich über den Stundensatz verhandeln?
Ja, aber oft lohnt es sich mehr, über Umfang, Stundenkontingente oder Zahlungsziele zu sprechen. Ein gedrückter Satz wird gern über mehr Stunden wieder hereingeholt. Rabatte für feste Abnahmemengen sind verbreitet.