Unseriöse Agentur erkennen: 11 Warnsignale vor dem Vertrag
Kurz gesagt: Eine unseriöse Agentur erkennst du an Garantieversprechen für Google-Rankings, an Domains und Konten, die auf ihren Namen laufen sollen, an langen Mindestlaufzeiten ohne klare Leistung, an Vorkasse für das ganze Projekt und an fehlenden Angaben im Impressum. Prüfe vor dem Vertrag Handelsregister, Unternehmensregister und Insolvenzbekanntmachungen.
Wer schon einmal eine Website-Leasing-Firma am Telefon hatte, kennt die Masche: kostenlose Website, nur 99 Euro im Monat, Laufzeit 48 Monate, die Domain läuft auf die Agentur. Nach zwei Jahren will man raus und stellt fest, dass einem nichts gehört. Solche Fälle sind der Extremfall. Die meisten Probleme mit Agenturen sind leiser und lassen sich vorher erkennen.
Die folgenden Warnsignale haben eines gemeinsam: Du kannst jedes davon prüfen, bevor du unterschreibst, meist mit einer Frage, einem Blick in den Vertragsentwurf oder einer Abfrage in einem öffentlichen Register. Ein einzelnes Signal ist noch kein Beweis. Drei oder mehr zusammen sind ein guter Grund, weiterzusuchen.
Elf Warnsignale im Überblick
- Garantie für Platz 1 bei Google oder eine bestimmte Zahl an Besuchern
- Domain, Hosting oder Werbekonten sollen auf den Namen der Agentur laufen
- Mindestlaufzeit von 24 Monaten oder mehr ohne genaue Leistungsbeschreibung
- Vorkasse für das gesamte Projekt
- Impressum ohne Registernummer, Vertretungsberechtigte oder Rechtsform
- Keine Referenzkontakte, nur Logos auf der Website
- Das Pitch-Team verschwindet nach der Unterschrift
- Angebot ohne Annahmen, nur eine Pauschale
- Kein Wort zu Nutzungsrechten am Code oder an Designs
- Druck: Angebot gilt nur bis Freitag, Rabatt nur heute
- Kaltakquise per Mail mit Analyse deiner Website und dringendem Handlungsbedarf
Einige Punkte brauchen eine Erklärung, weil sie im Gespräch harmlos klingen.
Garantien, die niemand geben kann
„Wir bringen Sie auf Seite 1“ ist der Klassiker. Google sagt dazu selbst unmissverständlich in seiner Hilfe für Website-Betreiber: Niemand kann ein Ranking auf Platz 1 bei Google garantieren. Die Google-Seite „Brauchen Sie einen SEO?“ rät ausdrücklich, sich jemand anderen zu suchen, wenn ein Anbieter so etwas verspricht. Sie warnt auch vor Firmen, die eine „besondere Beziehung“ zu Google behaupten, und vor unaufgeforderten Mails.
Dasselbe gilt für garantierte Besucherzahlen oder Follower. Wer Zahlen garantiert, kauft sie im Zweifel ein, und gekaufter Traffic bringt dir keine Kunden.
Seriös sind Zielwerte mit Bedingungen. Etwa: „Wir peilen 30 Prozent mehr organische Zugriffe in zwölf Monaten an, wenn monatlich zwei neue Fachartikel erscheinen.“ Das ist überprüfbar, und es ist ehrlich, was die Abhängigkeiten angeht.
Wenn deine Domain der Agentur gehört
Das wohl teuerste Warnsignal. Manche Agenturen registrieren Domains, Hosting-Pakete, Google-Ads-Konten oder Analytics-Properties auf sich selbst, aus Bequemlichkeit oder mit Absicht. Solange alles läuft, merkt niemand etwas. Beim Wechsel wird es kompliziert, weil du für die Herausgabe auf die Mitwirkung der alten Agentur angewiesen bist.
Die Regel ist einfach: Domain-Inhaber bist du. Werbe- und Analysekonten gehören dir, die Agentur bekommt Zugriff als Nutzer. Hosting läuft entweder auf dich oder ist im Vertrag mit Herausgabepflicht geregelt. Wie ein Wechsel abläuft, wenn es doch anders gelaufen ist, beschreibt der Beitrag Agentur wechseln.
Ähnlich heikel sind fehlende Regeln zu Nutzungsrechten. Ohne Vereinbarung bekommst du nach dem Urheberrecht nur die Rechte, die der Vertragszweck erfordert. Was das für Code und Designs bedeutet, steht unter Rechte am Quellcode.
Drei Register, die du in zehn Minuten prüfst
Eine Agentur kann sich auf ihrer Website darstellen, wie sie will. Amtliche Register nicht. Drei Abfragen genügen.
Impressum und Handelsregister. Nach § 5 des Digitale-Dienste-Gesetzes (DDG) muss ein geschäftsmäßiger Anbieter unter anderem Name und Anschrift, bei juristischen Personen Rechtsform und Vertretungsberechtigte, das Register mit Registernummer und, falls vorhanden, die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer angeben. Gleiche die Registernummer im Handelsregister ab. Passt der Firmenname? Stimmt die Geschäftsführung mit den Personen überein, die dir gegenübersitzen?
Jahresabschlüsse. Kapitalgesellschaften wie GmbH oder UG müssen ihre Jahresabschlüsse nach § 325 HGB elektronisch an das Unternehmensregister übermitteln, spätestens ein Jahr nach dem Bilanzstichtag. Kleine Gesellschaften veröffentlichen oft nur eine verkürzte Bilanz. Auch die verrät einiges: Steht dort ein „nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag“, hat die Firma rechnerisch mehr Schulden als Vermögen. Fehlen die letzten zwei Abschlüsse ganz, ist das ebenfalls ein Hinweis.
Insolvenzbekanntmachungen. Unter insolvenzbekanntmachungen.de suchst du nach dem Firmennamen und den Namen der Geschäftsführer. Eine frühere Insolvenz ist kein Ausschlussgrund. Wenn dieselben Personen aber alle zwei Jahre unter neuem Namen auftauchen, solltest du das wissen.
Bewertungen lesen, ohne sich täuschen zu lassen
Google-Bewertungen, Trustpilot, Agenturportale: Alle sind manipulierbar, manche mehr, manche weniger. Seit der UWG-Reform 2022 verlangt § 5b Abs. 3 UWG von Unternehmern, die Verbraucherbewertungen zugänglich machen, Informationen darüber, ob und wie sie sicherstellen, dass die Bewertungen von echten Kunden stammen. Auf Agenturseiten mit eingebetteten Bewertungen fehlt dieser Hinweis häufig.
Worauf du achten kannst:
- Viele Bewertungen in wenigen Wochen, danach lange nichts.
- Fast nur fünf Sterne, kaum Text, keine Projektdetails.
- Rezensenten ohne weitere Bewertungen auf der Plattform.
- Kritische Bewertungen, auf die die Agentur aggressiv oder gar nicht antwortet.
Die besten Informationen liefern ohnehin keine Sterne, sondern Gespräche mit früheren Kunden. Welche Fragen du dabei stellst, steht im Artikel Digitalagentur finden.
Warnsignale im Angebot
Viele Probleme zeigen sich erst im Angebot. Eine Pauschale ohne Herleitung ist das häufigste. „Website komplett: 14.900 Euro“ sagt dir nichts darüber, wie viele Seiten, welche Funktionen und wie viele Korrekturschleifen enthalten sind. Kommt es später zum Streit, hast du nichts in der Hand.
Ebenso auffällig sind sehr niedrige Angebote. Liegt ein Angebot bei einem Drittel der anderen, hat die Agentur entweder etwas missverstanden oder plant, über Nachträge zu verdienen. Frag nach, welche Annahmen dahinterstehen. Wie du Angebote auf eine Linie bringst, zeigt der Beitrag Agentur-Angebote vergleichen.
Bei laufenden Verträgen für Wartung oder Marketing ist die Kombination aus langer Laufzeit und vager Leistung das Problem. „Laufende Optimierung“ über 24 Monate ohne Angabe von Stunden oder Ergebnissen ist kein Vertrag, den du willst.
Gegenposition: Nicht jede kleine Agentur ist ein Risiko
Fairerweise: Viele gute Agenturen sind klein, haben ein knappes Impressum, keine Bewertungen und wenig Zeit für Hochglanz-Referenzen. Das macht sie nicht unseriös. Eine Agentur mit vier Leuten, die seit zehn Jahren für dieselben fünf Kunden arbeitet, hat vielleicht gar keine Online-Bewertungen. Dafür hat sie fünf Kunden, die du anrufen kannst.
Umgekehrt schützt Größe nicht. Auch große Agenturen geben Projekte an Subunternehmer weiter oder ersetzen das Pitch-Team nach der Unterschrift. Prüfe also bei allen dasselbe: Register, Referenzen, Vertrag. Wie ein Studio den eigenen Prozess transparent macht, zeigt zum Vergleich die Seite „About“ von OnlineBuilders.
Was du heute tun kannst
Nimm die Agentur, mit der du gerade sprichst, und arbeite die drei Registerabfragen ab. Danach legst du die Checkliste oben neben das Angebot und markierst jeden Punkt, der zutrifft. Bei mehr als zwei Treffern bittest du die Agentur schriftlich um eine Stellungnahme, bevor du weiterverhandelst.
Häufige Fragen
Sind Google-Bewertungen einer Agentur aussagekräftig?
Nur eingeschränkt. Viele Bewertungen in kurzer Zeit, fast nur fünf Sterne und kaum Text sind auffällig. Aussagekräftiger sind die wenigen kritischen Bewertungen und die Art, wie die Agentur darauf antwortet.
Ist Vorkasse bei Agenturen üblich?
Eine Anzahlung von einem Teil des Auftragswerts ist verbreitet und nicht unseriös. Problematisch wird es, wenn die Agentur das gesamte Honorar vor Projektbeginn verlangt. Üblich sind Abschlagszahlungen nach Meilensteinen.
Woran erkenne ich, ob eine Agentur finanziell stabil ist?
Bei einer GmbH oder UG findest du die Jahresabschlüsse im Unternehmensregister. Achte auf einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag und darauf, ob die Abschlüsse überhaupt fristgerecht veröffentlicht wurden. Bei Einzelunternehmen gibt es diese Quelle nicht.
Was tun, wenn ich schon unterschrieben habe?
Lies den Vertrag auf Laufzeit, Kündigungsrecht und Eigentum an Domain und Code. Sichere sofort alle Zugänge, die du bekommen kannst. Bei langen Laufzeiten und unklaren Leistungen lohnt die Prüfung durch einen Anwalt für IT-Recht.