# Festpreis oder Aufwand: Welches Modell wann passt

> Ein Festpreis passt, wenn der Umfang vorher genau beschrieben werden kann, denn dann trägt die Agentur das Mengenrisiko und preist es als Puffer ein. Abrechnung nach Aufwand passt bei offenen Anforderungen, verlagert das Risiko aber zu dir. Für die meisten Projekte ist Aufwand mit verbindlicher Obergrenze und Freigabe vor jeder Überschreitung der beste Kompromiss.

- URL: https://agenturbewertung.de/angebote-und-preise/festpreis-oder-aufwand/
- Sprache: de
- Aktualisiert: 2026-10-19
- Herausgeber: Agenturbewertung (OnlineBuilders LLC, https://onlinebuilders.biz)

Ein Festpreis fühlt sich sicher an. Du weißt, was es kostet, und die Agentur muss liefern. Praktisch ist diese Sicherheit teurer, als die meisten Auftraggeber ahnen, und sie gilt nur für das, was im Vertrag steht. Alles andere wird zum Nachtrag.

Abrechnung nach Aufwand wirkt dagegen wie ein Blankoscheck. Auch das stimmt nur halb. Mit den richtigen Regeln ist sie oft fairer und am Ende sogar günstiger.

## Wer welches Risiko trägt

Hinter der Wahl des Preismodells steckt eine einfache Frage: Wer zahlt, wenn das Projekt mehr Arbeit macht als gedacht?

**Vier Preismodelle im Vergleich**

| | Festpreis | Aufwand | Aufwand mit Deckel | Festpreis pro Phase |
|---|---|---|---|---|
| Mengenrisiko trägt | Agentur | Auftraggeber | geteilt | Agentur je Phase |
| Risikopuffer im Preis | ja | nein | teilweise | teilweise |
| Änderungen während des Projekts | nur per Nachtrag | jederzeit | bis zum Deckel | zwischen den Phasen |
| Aufwand für genaue Spezifikation vorab | hoch | gering | mittel | mittel |
| Eignet sich für | klar umrissene Websites | laufende Weiterentwicklung | die meisten Projekte | größere Softwareprojekte |

Eigene Einordnung. Die Bezeichnungen in Verträgen variieren.

Beim Festpreis trägt die Agentur das Mengenrisiko. Sie wird es nicht verschenken. Eine seriöse Agentur rechnet auf ihre Schätzung einen Puffer auf, weil Projekte selten kleiner werden als geplant. Wie groß dieser Puffer ist, siehst du im Angebot nicht.

## Was der Risikopuffer kostet

Ein Rechenbeispiel macht das greifbar. Eine Agentur schätzt ein Projekt auf 200 Stunden. Sie kalkuliert damit, dass die Schätzung um bis zu ein Viertel daneben liegen kann, eher nach oben.

**Beispiel: dasselbe Projekt, zwei Preismodelle**

- Schätzung der Agentur: 200 h
- Festpreis mit 25 % Puffer × 110 €: 27.500 €
- Aufwand, Projekt läuft gut (180 h × 110 €): 19.800 €
- Aufwand, Projekt läuft wie geschätzt (200 h × 110 €): 22.000 €
- Aufwand, Projekt läuft schlecht (260 h × 110 €): 28.600 €
- **Aufwand mit Deckel bei 24.000 €: höchstens 24.000 €**

Stundensatz, Puffer und Szenarien sind Annahmen für das Beispiel.

Der Festpreis schützt dich nur im schlechten Szenario, und auch dort nur um 1.100 Euro. Bei den beiden anderen Fällen zahlst du 5.500 bis 7.700 Euro mehr. Der Deckel liegt dazwischen: Er begrenzt dein Risiko, ohne den vollen Puffer zu bezahlen.

Das Beispiel ist bewusst einfach. Es zeigt aber, warum erfahrene Auftraggeber bei unklaren Projekten selten auf einem Festpreis bestehen.

## Wann ein Festpreis trotzdem richtig ist

Es gibt gute Gründe für einen Festpreis. Wenn dein Budget fix ist, etwa weil es aus einer Förderung kommt oder intern genehmigt werden muss, brauchst du eine feste Zahl. Wenn der Umfang klar ist, etwa eine Website mit bekannter Seitenzahl, fertigen Inhalten und ohne Schnittstellen, ist der Puffer klein. Und wenn du der Agentur noch nicht vertraust, gibt dir der Festpreis eine harte Grenze.

Die Voraussetzung ist eine präzise Leistungsbeschreibung. Was nicht drinsteht, ist nicht im Festpreis. Je genauer die Beschreibung, desto kleiner der Puffer und desto weniger Streit über Nachträge. Wie du so eine Beschreibung vorbereitest, steht in der [Vorlage für das Agentur-Briefing](https://agenturbewertung.de/agentur-finden/agentur-briefing-vorlage/).

Achte beim Festpreis besonders auf das Änderungsverfahren. Wie werden Change Requests beantragt, geschätzt und freigegeben? Und mit welchem Stundensatz? Fehlt diese Regel, verhandelst du jede Änderung neu, unter Zeitdruck und ohne Vergleich.

## Rechtlich: Werkvertrag, Dienstvertrag, Kostenanschlag

Das Preismodell bestimmt nicht automatisch den Vertragstyp. Entscheidend ist, was geschuldet wird. Beim Werkvertrag nach § 631 BGB schuldet die Agentur einen Erfolg, etwa eine funktionierende Website. Beim Dienstvertrag nach § 611 BGB schuldet sie nur die Tätigkeit, etwa Beratung oder laufende Betreuung. Ein Werkvertrag kann nach Aufwand abgerechnet werden. Das ist sogar häufig.

Der Unterschied ist wichtig für die Abnahme und die Mängelrechte. Beim Werkvertrag gibt es eine Abnahme, und erst danach wird die Vergütung fällig. Mehr dazu im Artikel [Abnahme bei Softwareprojekten](https://agenturbewertung.de/zusammenarbeit/abnahme-software-projekt/).

Bei Aufwandsprojekten mit einer Schätzung lohnt ein Blick in [§ 649 BGB](https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__649.html). Liegt dem Vertrag ein Kostenanschlag zugrunde, für den die Agentur keine Gewähr übernommen hat, und wird eine wesentliche Überschreitung absehbar, muss sie dich unverzüglich informieren. Du kannst dann kündigen und schuldest nur die bis dahin erbrachte Leistung. Ab wann eine Überschreitung wesentlich ist, regelt das Gesetz nicht. Deshalb gehört eine konkrete Schwelle in den Vertrag, etwa: „Zeichnet sich eine Überschreitung der Schätzung um mehr als 10 Prozent ab, informiert die Agentur schriftlich und holt eine Freigabe ein.“

Noch ein Detail aus dem Gesetz: Nach § 632 Abs. 3 BGB ist ein Kostenanschlag im Zweifel nicht zu vergüten. Verlangt eine Agentur Geld für ein Angebot, muss das vorher vereinbart sein.

## Der Kompromiss: Aufwand mit Deckel

Für die meisten Agenturprojekte ist eine Mischform am sinnvollsten. Abgerechnet wird nach tatsächlichem Aufwand, aber mit einer Obergrenze, die nur nach schriftlicher Freigabe überschritten werden darf. Dazu gehören drei Regeln:

1. Die Agentur berichtet regelmäßig, wöchentlich oder alle zwei Wochen, wie viele Stunden verbraucht sind und wie viele sie noch erwartet.
2. Ab einem festgelegten Schwellenwert, etwa 80 Prozent des Deckels, gibt es eine Abstimmung über den Rest.
3. Überschreitungen sind nur mit deiner schriftlichen Freigabe abrechenbar.

Interessant ist, dass die US-Bundesbeschaffung dieselbe Logik verwendet. Die Federal Acquisition Regulation erlaubt Verträge nach Zeit und Material nur, wenn Umfang und Dauer der Arbeit nicht genau geschätzt werden können, und schreibt in [FAR 16.601](https://www.acquisition.gov/far/16.601) eine Preisobergrenze vor, über die hinaus der Auftragnehmer auf eigenes Risiko arbeitet. Sie verlangt auch eine angemessene Überwachung, weil solche Verträge keinen Anreiz zur Kostenkontrolle bieten. Das gilt für öffentliche Aufträge in den USA, die Begründung passt aber auf jedes Agenturprojekt.

## Festpreis pro Phase bei Softwareprojekten

Bei größeren Softwareprojekten hat sich eine weitere Variante bewährt: Das Projekt wird in Phasen geteilt, und jede Phase bekommt einen eigenen Festpreis. Zuerst eine Konzeptphase von zwei bis vier Wochen, deren Ergebnis die Spezifikation für die nächste Phase ist. Dann Umsetzungsphasen, die jeweils auf dem Stand der vorherigen aufbauen.

Der Vorteil: Du kannst nach jeder Phase aussteigen, und der Puffer pro Phase ist klein, weil der Umfang überschaubar ist. Der Nachteil: Mehr Verwaltungsaufwand und kein fester Gesamtpreis zu Beginn. Wie ein Studio solche Phasen aufteilt, kannst du dir bei der [Softwareentwicklung von OnlineBuilders](https://onlinebuilders.biz/solutions/software-development) ansehen.

## Wie du dich entscheidest

Drei Fragen helfen:

- Kann ich den Umfang heute so genau beschreiben, dass zwei Agenturen dasselbe darunter verstehen? Wenn ja, ist ein Festpreis realistisch.
- Muss das Budget eine feste Zahl sein? Wenn ja, Festpreis oder Aufwand mit hartem Deckel.
- Will ich während des Projekts Dinge ändern können? Wenn ja, Aufwand mit Deckel oder Festpreis pro Phase.

Den Stundensatz, der in allen Modellen die Grundlage bildet, ordnest du mit dem Beitrag zum [Agentur-Stundensatz](https://agenturbewertung.de/angebote-und-preise/agentur-stundensatz/) ein. Und wenn du mehrere Angebote mit unterschiedlichen Modellen vor dir hast, hilft [Agentur-Angebote vergleichen](https://agenturbewertung.de/angebote-und-preise/agentur-angebote-vergleichen/), sie auf eine Basis zu bringen.

Nächster Schritt: Bitte jede Agentur, ihr Angebot zusätzlich als Aufwandsschätzung mit Stunden pro Baustein auszuweisen. Dann siehst du, wie groß der Puffer im Festpreis ist.

## Häufige Fragen

### Ist ein Festpreis immer ein Werkvertrag?

Meist schuldet die Agentur beim Festpreis ein bestimmtes Ergebnis, was für einen Werkvertrag spricht. Entscheidend ist aber, was vertraglich geschuldet wird, nicht die Art der Bezahlung. Auch ein Werkvertrag kann nach Aufwand vergütet werden.

### Was passiert, wenn ein Kostenvoranschlag überschritten wird?

Nach § 649 BGB muss die Agentur dich unverzüglich informieren, wenn eine wesentliche Überschreitung absehbar ist. Du kannst dann kündigen und schuldest nur die bis dahin erbrachte Leistung. Das gilt nur, wenn die Agentur keine Gewähr für die Richtigkeit des Anschlags übernommen hat.

### Darf eine Agentur für ein Angebot Geld verlangen?

Nur wenn das vereinbart ist. Nach § 632 Abs. 3 BGB ist ein Kostenanschlag im Zweifel nicht zu vergüten. Aufwendige Konzeptphasen vor dem Angebot werden deshalb meist als eigener kleiner Auftrag vereinbart.

### Funktioniert ein Festpreis bei agilen Projekten?

Als Festpreis für das ganze Projekt selten, weil sich Anforderungen bewusst ändern dürfen. Gut funktionieren Festpreise pro Sprint oder pro Phase, kombiniert mit einem Gesamtbudget, das die Zahl der Sprints begrenzt.

Foto: John Cummings, CC BY-SA 4.0 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Glass_egg_timer.jpg)