# Digitalagentur finden: Von 20 Kandidaten auf zwei

> Eine passende Digitalagentur findest du, indem du vor der Suche Ziel, Budgetrahmen und Entscheider festlegst, eine Longlist aus Empfehlungen und Fallstudien baust und alle Kandidaten mit derselben gewichteten Matrix bewertest. Zwei Referenzanrufe pro Agentur sagen mehr als jede Präsentation. Am Ende bleiben zwei, höchstens drei Agenturen für Angebot oder Pitch.

- URL: https://agenturbewertung.de/agentur-finden/digitalagentur-finden/
- Sprache: de
- Aktualisiert: 2026-10-19
- Herausgeber: Agenturbewertung (OnlineBuilders LLC, https://onlinebuilders.biz)

Fast jede schiefgelaufene Agenturauswahl hat dieselbe Ursache: Die Kriterien wurden erst festgelegt, nachdem die Präsentationen liefen. Dann gewinnt die Agentur mit den schönsten Folien, nicht die mit der passenden Arbeitsweise. Das lässt sich verhindern, und zwar mit erstaunlich wenig Aufwand.

Die Marktlage hilft dir dabei. Laut GWA-Frühjahrsmonitor 2026, einer Befragung von 92 Mitgliedsagenturen des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen, sind deren Umsätze 2025 im Schnitt um 2,7 Prozent gesunken. Agenturen suchen also Aufträge. Du kannst dir Zeit nehmen, Fragen stellen und auf Referenzen bestehen, ohne dass jemand abspringt.

## Was du klären musst, bevor du suchst

Vier Dinge gehören auf eine Seite, bevor die erste Mail rausgeht. Ohne sie kannst du Agenturen nicht vergleichen, weil jede Agentur die Lücken in deiner Anfrage mit eigenen Annahmen füllt und du am Ende Angebote nebeneinanderlegst, die in Wahrheit völlig unterschiedliche Projekte beschreiben.

1. **Das Ziel in einem Satz.** Nicht „neue Website“, sondern „Anfragen über die Website verdoppeln“ oder „Shop bis März auf Shopware 6 migrieren“.
2. **Einen Budgetrahmen.** Eine Spanne genügt. Agenturen, die kein Budget kennen, raten, und das Ergebnis sind Angebote zwischen 8.000 und 80.000 Euro für dieselbe Anfrage.
3. **Wer entscheidet.** Wenn am Ende die Geschäftsführung kippt, was das Marketing ausgesucht hat, war die ganze Auswahl umsonst.
4. **Wer intern mitarbeitet.** Eine Agentur braucht Ansprechpartner mit Zeit. Fünf Stunden pro Woche sind bei einem Website-Projekt eher die Untergrenze.

Daraus wird später das Briefing. Wie das aussieht, steht in unserer [Vorlage für ein Agentur-Briefing](https://agenturbewertung.de/agentur-finden/agentur-briefing-vorlage/).

## Wo die Kandidaten herkommen

Die Longlist sollte 15 bis 20 Namen haben. Mehr bearbeitest du nicht sorgfältig, weniger lässt zu wenig Auswahl.

Die besten Quellen? Unspektakulär. Empfehlungen aus deinem Netzwerk, aber nur von Leuten, die selbst schon ein Projekt mit der Agentur abgeschlossen haben. Websites und Apps, die dir gefallen: Im Footer oder im Impressum steht oft, wer sie gebaut hat. Verbandsverzeichnisse wie die Mitgliederlisten von GWA oder BVDW. Und Fallstudien auf Agenturseiten, sofern sie Zahlen und einen Kundennamen nennen.

Bezahlte Agenturverzeichnisse und „Top 10“-Listen taugen zum Namensammeln. Mehr nicht. Die Reihenfolge dort folgt häufig dem Werbebudget.

## Spezialist, Full-Service oder Studio?

Die Wahl des Agenturtyps grenzt die Longlist stärker ein als jedes andere Kriterium. Ein Shop-Relaunch braucht andere Leute als eine Social-Media-Kampagne.

**Welcher Agenturtyp für welches Vorhaben**

| | Spezialagentur | Full-Service | Software-Studio |
|---|---|---|---|
| Tiefe in einem Fachgebiet | ja | teilweise | ja |
| Kampagne, Content, Design | teilweise | ja | nein |
| Individuelle Software, Schnittstellen | teilweise | teilweise | ja |
| Ein Ansprechpartner für alles | nein | ja | teilweise |
| Betrieb nach dem Launch | teilweise | teilweise | ja |
| Typisches Risiko | Schnittstellen zu anderen Dienstleistern | Kernleistung wird weitervergeben | wenig Marketing-Know-how |

Eigene Einordnung. Einzelne Agenturen weichen davon ab, deshalb im Gespräch konkret nachfragen.

Bei Full-Service-Agenturen lohnt eine direkte Frage: Welche Leistungen erbringt ihr selbst, welche vergebt ihr an Partner? Wenn die Entwicklung an einen Subunternehmer geht, willst du das vor Vertragsschluss wissen, nicht beim ersten Bug.

## Die Bewertungsmatrix: vorher gewichten, dann bewerten

Hier entscheidet sich die Qualität der Auswahl. Klingt banal. Ist es nicht. Lege die Kriterien und ihre Gewichte fest, bevor du mit irgendeiner Agentur sprichst. Danach bewertest du jeden Kandidaten auf einer Skala von 1 bis 5.

Ein Beispiel für ein Website-Projekt mit Shop-Anbindung:

| Kriterium | Gewicht | Agentur A | Agentur B | Agentur C |
|---|---|---|---|---|
| Vergleichbare Projekte mit Zahlen | 25 % | 4 | 5 | 3 |
| Team, das tatsächlich arbeitet (nicht nur Pitch-Team) | 20 % | 3 | 4 | 4 |
| Prozess und Projektsteuerung | 15 % | 4 | 2 | 4 |
| Technische Passung (CMS, Hosting, Schnittstellen) | 15 % | 4 | 3 | 4 |
| Vertrag, Rechte, Exit-Regeln | 10 % | 3 | 3 | 5 |
| Preis im Verhältnis zum Umfang | 15 % | 3 | 4 | 4 |
| **Gewichteter Wert** | 100 % | **3,55** | **3,70** | **3,85** |

Agentur B hat die besten Referenzen und wäre nach Bauchgefühl vorne. Agentur C gewinnt trotzdem knapp, weil sie bei Vertrag und Technik keine Lücken hat. Genau solche Verschiebungen sieht man nur, wenn die Gewichte vorher feststehen.

Die Werte sind erfunden. Die Methode nicht. Übernimm die Struktur und setze deine eigenen Gewichte. Ein Projekt mit festem Launch-Termin gewichtet den Prozess höher, ein Produkt mit langer Laufzeit eher die Exit-Regeln. Welche Vertragspunkte dort zählen, erklärt der Artikel über [Rechte am Quellcode](https://agenturbewertung.de/zusammenarbeit/rechte-am-quellcode/).

## Referenzen prüfen, ohne sich abspeisen zu lassen

Fallstudien auf der Agenturseite sind Werbung. Interessant wird es erst am Telefon mit einem früheren Kunden. Bitte jede Agentur der Shortlist um zwei Kontakte, idealerweise aus Projekten, die mindestens ein Jahr zurückliegen. Dann hat der Kunde auch die Phase nach dem Launch erlebt.

Gute Fragen für so ein Gespräch, je zehn Minuten:

- Wurde das Projekt im geplanten Budget fertig? Wenn nicht, um wie viel lag es darüber, und warum?
- Wer aus dem Pitch-Team hat später wirklich am Projekt gearbeitet?
- Wie lief die Abnahme, und wie schnell wurden Fehler danach behoben?
- Arbeitet ihr heute noch mit der Agentur? Falls nein, woran lag es?
- Was würdet ihr beim nächsten Mal im Vertrag anders regeln?

Die letzte Frage bringt oft die ehrlichsten Antworten. Achte auch darauf, wie schnell eine Agentur Referenzkontakte liefert. Wer nach einer Woche noch „sucht“, hat vielleicht keine zufriedenen Kunden, die ans Telefon gehen. Weitere Warnsignale sammelt der Beitrag [unseriöse Agenturen erkennen](https://agenturbewertung.de/agentur-finden/unserioese-agentur-erkennen/).

## Das Kennenlerngespräch

Vor dem Angebot steht ein Gespräch von 45 bis 60 Minuten. Bestehe darauf, dass die Person dabei ist, die dein Projekt später leitet. Wenn nur Vertrieb und Geschäftsführung am Tisch sitzen, frag nach, wer das Projekt im Alltag führt, wie viele andere Projekte diese Person parallel betreut und wer sie im Urlaub vertritt.

Lass dir in diesem Gespräch ein laufendes oder abgeschlossenes Projekt zeigen, und zwar nicht die Präsentation, sondern das Ticketsystem, den Projektplan oder einen Statusbericht. Wie ein Team arbeitet, sieht man an seinen Werkzeugen. Wie ein Studio den eigenen Prozess offenlegt, kannst du zum Vergleich bei [OnlineBuilders unter „Arbeitsweise“](https://onlinebuilders.biz/how-we-work) nachlesen.

Frag auch nach dem Gegenteil von Referenzen: nach einem Projekt, das schiefging. Eine Agentur, die darauf eine konkrete Antwort hat und erklären kann, was sie daraus geändert hat, ist meist ehrlicher als eine, die nie Probleme hatte.

## Wann sich ein Pitch lohnt und wann nicht

Für Projekte unter etwa 30.000 Euro ist ein formaler Pitch mit Präsentationen meist zu teuer, für dich wie für die Agenturen. Zwei Angebote auf Basis desselben Briefings plus ein Workshop mit dem Favoriten reichen. Ab größeren Budgets oder bei Etats über mehrere Jahre kann ein Pitch sinnvoll sein, dann aber mit Honorar. Wie das abläuft, beschreibt der Artikel zum [Agentur-Pitch](https://agenturbewertung.de/agentur-finden/agentur-pitch-ablauf/).

Eine Gegenposition gehört dazu: Manche Unternehmen fahren gut damit, gar nicht zu vergleichen, sondern einer empfohlenen Agentur ein kleines bezahltes Startprojekt zu geben. Zwei Wochen Zusammenarbeit zeigen mehr als zwei Stunden Präsentation. Das funktioniert, wenn das Startprojekt klar abgegrenzt ist und du danach wirklich frei bist, nicht weiterzumachen.

## Was du am Ende in der Hand haben solltest

Für die zwei bis drei Finalisten brauchst du vergleichbare Angebote. Das klappt nur, wenn alle dasselbe Briefing bekommen haben und du die Angebote nach denselben Punkten aufschlüsselst. Wie das geht, steht unter [Agentur-Angebote vergleichen](https://agenturbewertung.de/angebote-und-preise/agentur-angebote-vergleichen/), und wie du die genannten Tagessätze einordnest, im Beitrag zum [Agentur-Stundensatz](https://agenturbewertung.de/angebote-und-preise/agentur-stundensatz/).

Dein nächster Schritt: Öffne eine Tabelle, trage die sechs Kriterien von oben ein und verteile 100 Prozent Gewicht. Erst danach schreibst du die erste Agentur an.

## Häufige Fragen

### Wie viele Agenturen sollte ich anfragen?

Für ein konkretes Angebot reichen drei. Wer zehn Agenturen anschreibt, bekommt zehn nicht vergleichbare Angebote und verliert Wochen mit Rückfragen. Die Vorauswahl auf drei passiert besser über Recherche und kurze Telefonate.

### Ist eine Agentur aus der eigenen Stadt besser?

Für Workshops vor Ort ist Nähe bequem, für die Qualität der Arbeit spielt der Standort kaum eine Rolle. Wichtiger sind Erreichbarkeit in deinen Arbeitszeiten und eine gemeinsame Projektsprache. Bei Agenturen im Ausland kommen Vertragsrecht und Gerichtsstand als Prüfpunkte dazu.

### Sind Agentur-Rankings und Verzeichnisse verlässlich?

Als Ideenquelle ja, als Bewertung nein. Viele Verzeichnisse finanzieren sich über bezahlte Platzierungen, und die Sortierung folgt dann nicht der Qualität. Nutze sie, um Namen zu sammeln, und prüfe danach selbst.

### Wie lange dauert eine saubere Agenturauswahl?

Mit Longlist, Gesprächen, Angeboten und Referenzanrufen sind vier bis acht Wochen realistisch. Ein formaler Pitch mit Präsentationen verlängert das um weitere zwei bis vier Wochen.

Foto: Breather breather, CC0 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chairs_in_a_meeting_room_(Unsplash).jpg)